DAS HAUS NUMMER 1
MIT DER HAUSNUMMER 2


PNP 02.09.2021, Stand 02.09.2021, 15:06 Uhr, Johanna Richter

Hotel zur Post nach fast zweijähriger Umbau- und Renovierungsphase wiedereröffnet

Bild rechts: Vivaplan-Geschäftsführer Thomas Weidlich (v. r.) , Technischer Leiter Wolfgang Scholcz und Projektleiter und Baumanager Stefan Czesch übergeben den symbolischen Schlüssel an Peter Heimerdinger. − Foto: Richter

Etwas mehr als zwei Jahre nach der Versteigerung, die am 9. August 2019 am Amtsgericht Mühldorf stattgefunden hat, ist es vollbracht: Das Hotel zur Post ist wiedereröffnet. "Es ist eine sehr kleine Feier für ein sehr großes Haus", sagte Thomas Weidlich, Geschäftsführer der Firma Vivaplan, die das Gebäude ersteigert hat. Die Größe der Einweihungsveranstaltung ist freilich Corona geschuldet. "Sonst hätten wir hier 150 bis 200 Leute", sagte Weidlich, der versprach, das nachzuholen, wenn es die Situation erlaubt. Nur die "direkten Nachbarn", die Vertreter des Rathauses und der Geistlichkeit waren geladen. Und mit ihnen ließ Weidlich die zwei Jahre seit dem Kauf Revue passieren.

"Als der Rechtspfleger den Hammer geschwungen hat, haben wir gewusst, dass die Renovierung eine große Aufgabe wird. Geworden ist es aber eine Herkulesaufgabe", so Weidlich. Es sei gut 300 Prozent mehr zu tun gewesen als erwartet. Die vergangenen Tage habe man am Rand der Kräfte gearbeitet – auch, weil kurzfristig der Gastronomie-Leiter krankheitsbedingt ausgefallen sei. Und am Eröffnungsvormittag habe es zum Beispiel noch keine Getränkekarten gegeben, Kasse und WLan wollten nicht so recht.

Bei der Grundsanierung, die im Oktober 2019 begann, seien seine Arbeiter von Außen nach Innen vorgegangen. Zuerst sei das Dach an der Reihe gewesen, das quasi komplett neu gemacht werden musste. Auch die Stuckdecke im Erdgeschoss musste komplett saniert werden. "Da waren Schäden, wo eigentlich keine sein hätten dürfen." Nun seien 99,5 Prozent fertig. Zwei bis drei Wochen brauche das Team noch für den letzten Feinschliff. Und auch der Wellnessbereich im Untergeschoss müsse noch gemacht werden. Weil alles aufwendiger war als gedacht, habe Vivaplan die Eröffnung immer wieder nach hinten verschieben müssen. Das ambitionierte Ziel von Herbst/Winter 2020 sei keineswegs haltbar gewesen. Doch jetzt ist es soweit. Die 78 Zimmer, von denen sieben neu entstanden sind, indem Konferenzräume aufgelöst wurden, seien bezugfertig.

Hoteldirektor Peter Heimerdinger erläuterte, dass die Personalsuche schwierig war und noch nicht abgeschlossen sei. "Die Wiedereröffnung der Gastronomie von einigen Monaten hat die Mitarbeiter aus dem Markt gesaugt." Er habe jetzt eine gute Truppe beisammen, aber sie sollte noch größer werden. "Wir wollen wieder das erste Haus am Platz werden. Wir wollen die Hausnummer eins werden", rief er als Ziel aus.

Dem allerdings schob Bürgermeister Stephan Antwerpen gleich einen Riegel vor. "Die Nummer eins können wir nicht vergeben, die ist der Gnadenkapelle vorbehalten." Wie es dazu kam, erläuterte er in einem kurzen geschichtlichen Abriss (siehe Kasten). Zuletzt machte das Stadtoberhaupt deutlich, dass es ohne seinen Vorgänger Herbert Hofauer sicher nicht so gut gelaufen wäre wie es nun lief. "Er hat die Fäden gezogen und hatte den Weitblick." Hofauer selbst bezeichnete die Versteigerung des Hotels samt der Begleitung der Renovierung als sein "letztes herausragendes Projekt als Bürgermeister". Er sei froh, dass anfängliche Befürchtungen nicht eingetreten sind, ist die Firma Vivaplan doch für den Betrieb von Senioreneinrichtungen bekannt. "Da wäre ich als Kreisvorsitzender des BRK nicht einverstanden gewesen." Was es stattdessen wurde, überzeuge nun auf ganzer Linie.

91 JAHRE ERSTERDie Geschichte des Hauses reicht weit zurück, nämlich ins Jahr 1356, als die Stifts- oder Hoftaverne in einem Gewerbeprivileg des Herzogs Stefan II. von Bayern erstmals erwähnt wurde. "Es war damals wohl die erste Gaststätte Altöttings, sie war Eigentum des Chorherrenstiftes", so Antwerpen. Als nach 1491 die Wallfahrt verstärkt einsetzte, habe sich die Gastwirtschaft zu einer Pilgerherberger gewandelt. Wallfahrer aus vornehmen Kreisen fanden Unterkunft. 1777 kaufte Posthalter Felix Reicheneder die Taverne und verlegte den Poststall von der Mühldorfer Straße an den Kapellplatz. Seitdem habe sich auch der Name "Gasthof zur Post" eingebürgert. Als 1801 die ersten Hausnummern vergeben wurden, habe der Hofwirt die Nummer 1 erhalten. Die Gnadenkapelle dagegen bekam die Nummer 155. "Wenn wir Altöttinger das Hotel zur Post immer als ‚Erstes Haus am Platz‘ bezeichnet haben, dann ist das durchaus geschichtlich fundiert", so Antwerpen. Erst 1892 wurde die heutige Nummerierung eingeführt. Da hatten es bereits die Eheleute Mayer gekauft. 1969 wurde der Hotelbetrieb aufgenommen und ein Altenpflegeheim eingerichtet. 1975 kaufte es Gerold Tandler und nahm den Hotelbetrieb wieder auf. 2019 war das Ende der Ära Tandler zugleich der Anfang der Regensburger Firma Vivaplan. − jor

segnung

"Ich segne nicht das Gebäude sondern die Menschen, die darin arbeiten", sagte Stadtpfarrer Prälat Dr. Klaus Metzl, als er durch die Räume ging und diese weihte – hier etwa die Zuccalli-Café- und Weinbar. − Foto: Richter

Wir bedanken uns bei der PNP für die tolle Berichterstattung.

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